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showcases 2022-01 - Fokus "Neues Handeln!"

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Ausnahmesituationen und daraus resultierende Veränderungen erfordern vor allem eines: Neues Handeln! Genau diesem Fokusthema widmen wir uns in unserer nächsten Ausgabe von showcases, dem Magazin für die Event- und Unternehmenskommunikation. Kaum eine andere Branche war in den vergangenen anderthalb Jahren so stark auf Improvisation, Kreativität und Neues Handeln angewiesen. Was dabei herausgekommen ist, wie sich die Branche für den Restart wappnet und welche kreativen Lösungen geboren sind, darauf werfen wir das Scheinwerferlicht. Im Feature berichten wir von Neustartprojekten im Zirkus. Das Glossary zum „Neuen Handeln“ schreibt der Kabarettist Marius Jung und an unserem virtuellen Roundtable geht es dieses Mal rund um die Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft. Freut euch auf eine bunte, informative und inspirierende Ausgabe

14/15 TALKING HEADS

14/15 TALKING HEADS memo-media.de memo-media.de KERSTIN MEISNER: Wir können es gar nicht oft genug betonen, wie groß unser Wirtschaftszweig ist. Wir sprechen von einem Jahresumsatz von 81 Milliarden Euro – vor Corona. Und rund zwei Millionen Beschäftigten. Die Aufgabe der Bundeskonferenz ist kurzfristig, dieser Branche Gehör zu verschaffen, damit sie bei den aktuellen Hilfen explizit berücksichtigt wird, und sie langfristig als sechsstärksten Wirtschaftszweig fest in allen Entscheider- Köpfen in Berlin zu etablieren. DIE STARKE STIMME EINER STARKEN BRANCHE AUFGEZEICHNET VON ANDREAS SCHÄFER Während die Bundesrepublik Deutschland in ihr drittes Pandemiejahr schliddert, wurde in der Hauptstadt Berlin am 28. Oktober 2021 die Bundeskonferenz gegründet mit dem Ziel, den sechstgrößten Wirtschaftszweig des Landes zu vertreten. Ein Rat von elf Vertreter:innen wurde gewählt, die die Konferenz gegenüber der Politik vertreten, was sich in den letzten Tagen wieder als sehr wichtig und notwendig herauskristallisiert hat. showcases befragte drei der elf Vertreter:innen der Konferenz zu Selbstverständnis, Selbstverpflichtung und Selbstbewusstsein: Christian Eichenberger, zu Hause bei Party Rent, Sandra Beckmann aus dem Event-Kombinat (beide auch bei #AlarmstufeRot aktiv) sowie Kerstin Meisner, die Herausgeberin von memo-media, showcases und dem Eventbranchenverzeichnis. Worin siehst Du die vordringliche Aufgabe der Bundeskonferenz? Die Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft überreicht die 33 verabschiedeten Forderungen an Bettina Hagedorn, SPD. CHRISTIAN EICHENBERGER: Diese basisdemokratische Plattform muss dafür sorgen, dass unsere Branche bei den politischen Entscheidern in Berlin ähnlich bekannt wird wie andere Wirtschaftszweige. Die Automobilindustrie, Luftfahrt, die Hotellerie und Gastronomie mit der DEHOGA wurden nicht nur sofort gehört, als es 2020 kritisch wurde. Man hat sie von vornherein mitgedacht. Politische – und auch gesellschaftliche – Sichtbarkeit soll der Vertreter:innen-Rat der Bundeskonferenz schaffen. SANDRA BECKMANN: Die Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft ermöglicht es einem gerade erst bekannt gewordenen Wirtschaftszweig, übergeordnet die Belange aller Branchen politisch zu vertreten. Dies ist absolut notwendig, wie uns diese Krisenzeit unter den Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gelehrt hat. Partikulare Interessenvertretung ist richtig und wichtig, aber hat sich als wenig effektiv bei übergeordneten Problemlagen erwiesen. Hierzu gab es bislang keinen geeigneten Zusammenschluss oder einen entsprechenden übergeordneten Verband, der dies hätte machen können und zeitgleich die größtmögliche Beteiligung aller Betroffenen zugelassen hätte. Was ist die Perspektive der Branche auf lange Sicht? KM: Es ist bitter, wenn wir in die Zukunft schauen. Das eine ist der ständige Kampf ums Überleben und dann die Rechtfertigung, warum wir denn alle unser Geschäft nach 20 Monaten Pandemie nicht umgestellt hätten. All das, für das wir jahrzehntelang gestanden haben, all unsere Expertise in der Kommunikation, unsere Stärke im Messebau, die breite Vielfalt in Kunst und Kultur erscheint in vielen Diskussionen wie ein »Nice-to-have«, auf das man jetzt und in Zukunft eben verzichten muss. Doch können wir als Gesellschaft wirklich darauf verzichten? Ich denke nicht. CE: Auf mittlere Sicht ist der Ausblick finster. Der Umsatzeinbruch betrug zeitweilig über 88 %. Er liegt in der Branche aktuell bei 60 %. Angesichts der nächsten Corona-Welle kommt es gerade zu umfassenden Stornierungen bei 77 % der Betriebe, sodass hier ein weiterer massiver Rückgang zu erwarten ist. Deshalb müssen die Wirtschaftshilfen für den Sektor zwingend verlängert werden. Die Personalzahl ging um 55 % zurück. Auch dies wird sich zuspitzen, wenn die Kurzarbeiterregelung endet, was ursprünglich zum Jahresende geplant war und nun auf März vertagt wurde. Es deprimiert, dass wir gefühlt alle drei Monate neu um unser Überleben verhandeln müssen mit Berlin. Alle drei Monate neu alle Argumente wiederholen müssen, warum die Veranstaltungswirtschaft in der Existenz bedroht ist, wenn Veranstaltungen faktisch verboten sind. Alle drei Monate neu darlegen müssen, dass dem Exportweltmeister ohne Messen das Schaufenster in die Welt fehlt, ohne Bühnen der Kulturnation die Grundlage entzogen ist. Langfristig hat die Veranstaltungswirtschaft alles, um ihre Top-3-Position in der Welt halten und ausbauen zu können: Expertise, Technik, Professionalität. Das wird uns aber nur gelingen, wenn nach der Pandemie nicht alles Kapital aufgezehrt ist und die 55 % Mitarbeiterabwanderung wieder ausgeglichen werden kann. SB: Das Problem liegt derzeit in der aktuellen und zukünftigen Entwicklung der Pandemie, den Maßnahmen der Regierung und die dadurch notwendigen Hilfen für unseren Wirtschaftszweig. Bleibt die Lage erst mal so und werden zeitgleich die Hilfen reduziert, wie beispielsweise das Kurzarbeitergeld, haben wir am Ende gänzlich andere Probleme für einen Neustart. Denn verschwinden aufgrund mangelnder Hilfen weiter mehr und mehr Facharbeiter in den Betrieben und auf dem freien Markt, wird uns am Ende diese »Manpower« fehlen, um Veranstaltungen zu realisieren. Davon hängt derzeit elementar die Entwicklung und die Dauer bis zur Rückkehr auf Vor-Krisen-Niveau ab. Nichtsdestotrotz glaube ich fest daran, dass wir langfristig wieder zu alter Kraft zurückkehren werden. Mir persönlich liegt viel daran, dass wir alle wieder das machen können, wofür unser Herz schlägt. Würde ich das nicht glauben, hätte ich mich nicht von Anfang an für diesen Wirtschaftszweig politisch stark gemacht.

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