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showcases: 04/2014

Wir geben uns gerne die Mühe, für Sie die Diamanten unter den vielen Kieseln am Strand der E- und U-Kultur herauszusuchen. Für uns ist das pure Entdeckerleidenschaft und so finden wir auch die besonderen Klangkünstler, DJs und Lichtartisten für Ihre Events. Wir leuchten immer wieder in die Geschichte hinein und erhellen die Hintergründe. Dieses Mal tut das der DJ und Mayday-Mitbegründer Westbam für uns als Gastautor. Da wir aber auch gerne in die Zukunft schauen, sind wir ganz begeistert von dem Künstlerquartett Data Garden aus Philadelphia, das mit lebenden Pflanzen tanzbare Biofeedbackmusik macht. Ein weiterer solcher Edelstein ist die Schwertschluckerin Jewels, der wir ein Portrait gewidmet haben. Das GlasBlasSing Quintett ist eine weitere Preziose, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. Und unsere Artistenschüler aus Berlin, die wir seit drei Jahren begleiten, kommen nun schon in die Pubertät. Emily hat ihre Ausbildung leider abgebrochen. Tim und Luzie machen aber weiter. Die Ausbildung an der staatlichen Artistenschule verlangt den Kindern viel ab. Artisten sind Leistungssportler!

22/23 indoor

22/23 indoor memo-media.de Ganz schön taff! Luzie beim Training in der Artistenschule Überall in der Turnhalle stehen unterschiedlichste Gerätschaften herum. Hier ein paar dicke Turnmatten, dort ein Stuhl, dahinter ein Mast. Trapeze und Ringe hängen von der Decke. Im vorderen Bereich, nah den Zuschauersitzen, wird eben ein Video gedreht: Eine Schwungtuch-Artistin mit blauem Body dreht und windet sich in ihrem Tuch, scheinbar mühelos, und ist dabei vielleicht vierzehn Jahre alt. Mitten hindurch kommt die achte Klasse gelaufen. 13 angehende Artisten, alle in schwarzen Trainingsanzügen, alle auf der Schwelle vom Kind zum Jugendlichen. Rund um die Trapeze und Drahtseile verteilt, versammeln sie sich und wirken dabei wie Jugendliche in diesem Alter nun sind. Sie reden, lachen, setzen sich in Grüppchen oder lehnen zu zweit an der Wand. Die Artistenschüler wirken entspannt in der Gruppe. Sie sind Schüler der Staatlichen Arti stenschule Berlin. Deutschlands einzige Schule, die eine artistische wie schulische Ausbildung für angehende staatlich geprüfte Artisten anbietet. Bereits ab der fünften Klasse ist die duale Ausbildung der Schüler möglich. Ab der achten Klasse beginnt die Grundausbildung der Schüler. »Im Moment ist es eine etwas schwierige Zeit«, sagt Tim. »Wir werden in jeder artistischen Disziplin grundlegend ausgebildet. Wir üben und trainieren ununterbrochen, aber es gibt wenig Neues. Das ist manchmal ermüdend.« Ununterbrochen bedeutet Unterricht von montags bis samstags. Morgens geht es mit Ballett oder Kraftübungen los. Dann Schulunterricht wie an jeder anderen weiterführenden Schule auch. Mathe, Deutsch, Biologie. Mittags dann ein Essen und Pause in der schuleigenen Mensa. Wieder eine Stunde Sport und im Anschluss meist weitere Schulstunden. Jeden Tag von morgens früh bis in den späten Nachmittag. Aber dann sind noch immer keine Hausaufgaben gemacht oder für eine Klausur geübt worden. Der

memo-media.de Alltag der Kinder ist jeden Tag bis in den Abend durchgetaktet. Emily zuckt mit den Schultern: »Das ist nun mal so. Aber inzwischen gehört das auch einfach zu meinem Leben. Viel mehr stört mich, dass andere immer denken, wir würden nur ein wenig turnen und keinen richtigen Schulunterricht haben. Das stimmt einfach nicht.« Zweifellos stehen die Schüler unter demselben Druck wie andere Leistungssportler. Neben den Hausaufgaben, Arbeiten und Klausuren müssen die Schüler auch sogenannte Lern-Erfolgs- Kontrollen in der Grundausbildung bestehen. Diese dauert vier Jahre und ist zwingend notwendig. Denn hier lernen die angehenden Artisten jede artistische Disziplin kennen, finden sich mit allen Grundlagen zurecht und lernen, körperliche Schäden durch falsche Bewegungen zu vermeiden. Die Prüfungen sollen sicherstellen, dass die Grundlagen der Artistik mit absoluter Perfektion beherrscht werden. Und nur diejenigen, die sowohl gute Schulnoten wie auch gute Sportnoten erreichen, werden in die nächste Klasse versetzt. Jetzt sollen sich die Schüler gemeinsam Die Staatliche Artistenschule Berlin bildet Schüler ab der fünften Klasse zu Artisten aus. An sechs Tagen in der Woche, von früh bis spät. Wir begleiten drei Schüler seit nunmehr drei Jahren durch ihren ganz besonderen Schulalltag. Fotos: Frank Heckel, Jakob Vornau aufwärmen. In kleinen Gruppen teilen sie sich auf und machen Übungen am Drahtseil und an den Ringen. Die Lehrerin mahnt wegen falscher Socken, die ungeeignet sind, um mit ihnen die Balance am Fußrücken zu halten oder kritisiert die Ausführung einer Übung. Die Klasse wirkt ruhig und konzentriert. Sie helfen sich gegenseitig bei den Übungen, geben untereinander Tipps. Überhaupt ist ihr Verhalten kaum mehr kindlich, sondern sehr diszipliniert. »Die Regeln in der Schule sind schon sehr streng«, sagt Tim, der auch im Internat der Schule lebt. Bis zum siebten Ausbildungsjahr steht den Schülern das Internat zur Verfügung. Danach müssen sie sich Wohngemeinschaften suchen. »Wir haben vorgeschriebene Zeiten, um aufzustehen oder auch um zu essen oder Bettzeiten. Mehrmals am Abend und in der Nacht kontrollieren die Erzieher auch die Anwesenheit«, erzählt Tim. Dabei bleibt bei dem engen Zeitplan der Schüler sowieso wenig Zeit für Freizeitaktivitäten. »Die meisten Freunde habe ich in der Schule. Manchmal gehen wir zusammen ins Kino, aber meist spiele ich noch ein wenig an meiner Konsole oder gucke fern«, erzählt Tim und wirkt dabei etwas müde. Emily fährt jeden Tag. Je eine Stunde ist sie morgens und abends zusätzlich unterwegs. Zeit, die ihr zu Hause fehlt. Doch sie zuckt nur mit den Schultern. »Natürlich frage ich mich manchmal, ob das alles so richtig ist, was ich hier mache«, erzählt Emily ganz frei. »Und natürlich wünsche ich mir manchmal mehr Freizeit. Aber immer, wenn ich wieder in der Turnhalle bin, weiß ich wieder, warum ich das mache. Ich liebe die Artistik einfach.« Nach rund 45 Minuten ist die Trainingseinheit vorbei. Die Schüler laufen zurück in die Umkleidekabinen. Viel Zeit haben sie nicht. Denn in einer Viertelstunde geht der Unterricht weiter. Dann steht Physik an. In der Turnhalle üben andere Schüler anderer Klassen bunt durcheinander gewürfelt weiter. Auch ehemalige Schüler kommen dazu und nutzen die Gelegenheit, unter geeigneten Umständen zu trainieren. Draußen scheint die Sonne. Eine Lehrerin gibt den Schülern der achten Klasse bekannt, dass die letzte Schulstunde heute wegen der Zeugniskonferenzen ausfällt. Emily zögert keinen Moment. Sie winkt ihren Mitschülern zu und rennt Richtung Bushaltestelle. Heute wird sie schon gegen 16 Uhr zu Hause sein. Und die anderen? Sie freuen sich über die Freistunde, Tim wirft seinen Rucksack auf den Rasen und läuft zu seinen Freunden. Endlich können sie einfach eine Runde Fußball spielen. info Nachtrag: Kurz vor Redaktionsschluss erreichte die Redaktion die Nachricht, dass Emily die Artistenschule verlassen habe. An dieser Stelle wünschen wir ihr viel Glück und Erfolg auf ihrem weiteren Lebensweg und danken ihr, dass wir sie bis zu diesem Zeitpunkt begleiten durften. showcases has been accompanying the three aspiring artists Tim, Luzie and Emily enrolled at the State Acrobatics School Berlin for the past three years. In the middle of their adolescence, these three students are running through basic training programs meeting professional athlete standards. Then there's the regular school curriculum, leaving almost no leisure time. Shortly before copy deadline, the editorial staff learned that Emily has left the artist academy. Staatl. Ballettschule Berlin & Schule für Artistik, 10409 Berlin Die Kontaktdaten finden Sie auf www.memo-media.de

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